GEMEINDEBRIEF Februar / März 2019


Gastvortrag „Luisenstädtischer Kanal“

Klaus Lingenauber, Leiter des Gartendenkmalpflegeamtes Berlin hielt auf der Mitgliederversammlung der Fördervereins Freunde des Britzer Gartens einen Vortrag über die Planung und Bedeutung des Luisenstädtischen Kanals in Berlin. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Bebauung des „Cöpenicker Feldes geplant.“ Zum Transport der nötigen Baumaterialien in dieses Stadterweiterungsgebiet und für den Lieferverkehr der hier entstehenden Fabrikbetriebe wurde vornehmlich nach Planung von Peter Joseph Lenné ein Schifffahrtskanal als Verbindung von Spree und Landwehrkanal von 1845 bis 1852 gebaut. Nach rund 50 Jahren verlor der Kanal seine Bedeutung als Umschlagplatz für Baumaterialien. Auch war das Gefälle zwischen Spree und Landwehrkanal gering – es kam zu Gestank und Mückenplage. So wurde der Kanal ab 1926 zugeschüttet – vornehmlich mit dem Erdaushub der neuen U-Bahnlinie zwischen Gesundbrunnen und Neukölln (heute U 7). Der Berliner Stadtgartendirektor Erwin Barth plante auf dem Verlauf des Lennéschen Kanals eine Abfolge von Schmuck, Lehr- und Spiel-Gärten. An den Wasserweg erinnerte noch das Engelbecken als „Schmuckteich“ vor der St. Michaelkirche. Dem Zeitgeschmack war der Indische Brunnen am Rosengarten gezollt. Dieser Grünzug wurde nach dem Zweiten Weltkrieg mit Trümmerschutt aus der stark zerstörten Luisenstadt aufgefüllt. Der im Ostberliner Bezirk Mitte liegende Gartenabschnitt wurde zur Grenzbefestigung ausgebaut.


Zeichnung des Luisenstädtischen Kanals um 1905 (WPLK)

Sämtliche Baumreihen wurden abgeholzt. Der auf Westberliner Seite liegende Grünzug verwilderte. Nach der Wiedervereinigung entschied das Berliner Gartendenkmalpflegeamt, den Luisenstädtischen Kanal schrittweise wieder Instand zu setzen. Gartenarchäologische Grabungen legten Mauern, Treppen, Brunnen und sogar die ursprünglichen Standorte der Bäume frei. Als erstes wurde der Immergrüne Garten zwischen Engelbecken und Adalbertstraße wiederhergestellt. Dann folgte der Rosengarten mit zahlreichen Rosenbeeten, Sitzbänken, berankte Pergolengängen und dem „Indischen Brunnen“, der komplett – bis auf die nachgebildete Bronzeplastik – ausgegraben und saniert werden konnte. Als dritter Abschnitt konnte der Waldpflanzengarten wiederhergestellt werden, neugestaltet mit der Anpflanzung typisch märkischer Gehölze, aber in Anlehnung an den historischen Pflanzplan von Hans Martin. Die Mitglieder des Fördervereins Freunde des Britzer Gartens freuen sich schon auf die Führung von Herrn Lingenauber im Sommer dieses Jahres.

Tiere des Jahres 2019