PRISMA Januar / Februar 2019


Gastvortrag „Luisenstädtischer Kanal"

Dipl. Ing. Klaus Lingenauber, Leiter des Landesdenkmalamtes Berlin - Gartendenk­malpflege und Archäologie - hielt auf der Mitgliederversammlung der Fördervereins Freunde des Britzer Gartens einen Vortrag über die Planung und Bedeutung des Lui­senstädtischen Kanals in Berlin. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Bebauung des „Cöpenicker Feldes geplant." Zum Transport der nötigen Baumaterialien in dieses Stadter­weiterungsgebiet und für den Lieferverkehr der hier entstehenden Fabrikbetriebe wurde vornehmlich nach Planung von Peter Joseph Lenné (1789-1866) ein Schifffahrtskanal als Verbindung von Spree und Landwehrkanal von 1845 bis 1852 gebaut.

Zeichnung des Luisenstädtischen Kanals um 1905

Nach rund 50 Jahren verlor der Kanal seine Bedeutung als Umschlagplatz für Baumate­rialien. Auch war das Gefälle zwischen Spree und Landwehrkanal gering - es kam zu Ge­stank und Mückenplage. So wurde der Kanal ab 1926 zugeschüttet - vornehmlich mit dem Erdaushub der neuen U-Bahnlinie zwischen Gesundbrunnen und Neukölln (heute U 7).

Der Berliner Stadtgartendirektor Erwin Barth plante auf dem Verlauf des Lenneschen Kanals eine Abfolge von Schmuck-, Lehr- und Spiel-Gärten. An den Wasserweg erinnerte noch das Engelbecken als„Schmuckteich" vor der Sankt Michaelkirche. Dem Zeitgeschmack war der Indische Brunnen am Rosengarten gezollt.

Dieser Grünzug wurde nach dem Zwei­ten Weltkrieg mit Trümmerschutt aus der stark zerstörten Luisenstadt aufgefüllt. Der im Ostberliner Bezirk Mitte liegende Garten­abschnitt wurde zur Grenzbefestigung aus­gebaut. Sämtliche Baumreihen wurden ab­geholzt. Der auf Westberliner Seite liegende Grünzug verwilderte.

Nach der Wiedervereinigung entschied das Berliner Gartendenkmalpflegeamt, den Luisenstädtischen Kanal schrittweise wieder Instand zu setzen. Gartenarchäologische Gra­bungen legten Mauern, Treppen, Brunnen und sogar die ursprünglichen Standorte der Bäume frei. Als erstes wurde der Immergrüne Garten zwischen Engelbecken und Adalbertstraße wiederhergestellt. Dann folgte der Rosengarten mit zahlreichen Rosenbeeten, Sitzbänken, berankten Pergolengängen und dem „Indischen Brunnen", der komplett - bis auf die nachgebildete Bronzeplastik - ausge­graben und saniert werden konnte. Als dritter Abschnitt konnte der Waldpflanzengarten wiederhergestellt werden, neugestaltet mit der Anpflanzung typisch märkischer Gehöl­ze, aber in Anlehnung an den historischen Pflanzplan von Hans Martin.

Die Mitglieder des Fördervereins Freunde des Britzer Gartens freuen sich schon auf die Führung von Herrn Lingenauber im Sommer dieses Jahres.

Pflanzen und Tiere des Jahres 2019