Prismagazin Januar / Februar 2020


Gastvortrag über die historische Gartenanlage des Klosters Neuzelle

Auf der Mitgliederversammlung des Fördervereins Freunde des Britzer Gartens e.V.am 14. November 2019 hielt der Obergärtner des Klosters Neuzelle, Ralf Mainz, einen Vortrag über die historische Gartenanlage des Klosters und die Restaurierung anhand eines alten Planes und Bodenfunden.

Das Kloster Neuzelle wurde am 12. Oktober 1268 von Markgraf Heinrich dem Erlauchten aus dem Hause Wettin als Zisterzienser-Abtei gestiftet. 

1656 ist zum ersten Mal ein Garten zur Erholung der Mönche – also ein sogenannter Konventgarten - erwähnt worden und 1690 zum ersten Mal der Name eines Gärtners: Simon Dreßler.

1739 wird in Neuzelle von einem Renaissance-Garten berichtet, der 1755 – 1760 durch Abt Gabriel Dubau nach „französischem Geschmack“(Barock)  umgestaltet wurde. Das ist bemerkenswert, da bereits 1764 in Dessau Wörlitz der Park als englischer Landschaftsgarten angelegt wurde.


historischer Gartenplan Neuzelle (hell: die Gartenbereiche des 3. Bauabschnitts)


Im historischen Stiftsatlas wurde ein Plan des Neuzeller Barock-Gartens gefunden: Die Gartenanlage ist in zwei gleichberechtigten Kompartimenten als Abtsgarten und als Konventsgarten- getrennt durch einen Orangeriebau – angelegt. Rechts und links der Orangerie Blumenbeete und Springbrunnen; Abt Edmundus Pietschmann ließ 1780 ein Lindenrondell anlegen, es gab Obstbaumalleen und Eichen vor der Orangerie.

1815, auf dem Wiener Kongress, fiel die Niederlausitz von Sachsen an Preußen. Am 25. Februar 1817, mit der Aufhebung des Klosters, wurden alle Akten des Klosters Neuzelle vernichtet. 1818 errichtete man in den Gebäuden der Klosteranlage ein Lehrerseminar. Der Klostergarten sollte zur Verpflegung der Seminaristen dienen und zum Erlernen des Schulgartenunterrichts. Der Stiftsgarten bleibt öffentlich. Der Konventgarten wird als Obst-und Gemüsegarten umgestaltet, dazu eine Obstbaumschule angelegt. Der Zustand der Gartenanlage ist abhängig von den beschäftigten Gärtnern. Um Kosten zu sparen, werden die Pflanzkübel der Orangerie verkauft. Die „Gartenkasse“ ist zu gering ausgestattet, um die Gartenanlage zu erhalten und die Seminaristen habe keine gärtnerische Vorbildung. 

1843 wird eine Eisenbahnlinie zunächst durch den Garten geplant, dann aber eine Verlegung der Trasse beschlossen. Die Orangerie wird zu einer Turnhalle umgebaut, die Terrassenkeller (und Grotten) werden vermauert, die Blumenbeete werden zum Turnplatz. Der Spiegelteich verwildert und wird mit Bauschutt verfüllt.

1981 wurden durch den Rat des Kreises erstmals Gelder freigegeben, um Wildwuchs zu beseitigen und eine fotografische Dokumentation  des Geländes zu erstellen. Die Hainbuchenhecken wurden geschnitten, Bäume gefällt.

Am 1. Juli 1996 wurde die Stiftung Stift Neuzelle errichtet und die Gemeinde tritt die Liegenschaft mit dem Stiftsgarten ab – Voraussetzung für eine denkmalgerechte Restaurierung.

1999 bis 2000 wird die Orangerie wieder hergestellt und bis 2004 der erste Bauabschnitt mit Freilegung der Terrassen.

2006 bis 2008 erfolgte die Wiederherstellung des zweiten Bauabschnitts, in dem der Klostergarten in seiner heute sichtbaren Gestalt entstand mit Schmuckbeeten (Wechselbepflanzung) und Springbrunnen. 

Seit Herbst 2019 wird im dritten Bauabschnitt der im alten Klosterplan sichtbare östliche Gartenteil – eine Spiegelung des schon jetzt bestehenden Gartens unterhalb der Terrassen – bis voraussichtlich 2021 wiederhergestellt (zur Erläuterung hell angelegt). Jetzt ist bereits mit dem Abräumen der Kleingartenanlagen aus DDR-Zeiten begonnen worden. Im Norden des Klosterareals sollen zudem eine neue Zufahrt und großräumige PKW-Parkplätze gebaut werden.

Soweit der Vortrag von Ralf Mainz. 

Der Förderverein Freunde des Britzer Gartens hat daraufhin eine Tagesfahrt nach Neuzelle am 9. Mai geplant. Mehr darüber auf der Homepage des Fördervereins: www.foerderkreis-britzer-garten.de


Klosteranlage, im Hintergrund Kleingartenanlage, die für den 3. Bauabschnitt geräumt worden ist.


Klostergarten, sanierter 1. und 2. Bauabschnitt